In der Anlaufphase einer Firma können unerwartet hohe Kosten entstehen. Um in dieser Zeit die Liquidität und den Fortbestand des Unternehmens zu sichern, ist es notwendig, den Kapitalbedarf genau zu planen.
Kapitalbedarf für Investitionen
Investitionen, die im Zuge einer Gründung zu tätigen sind, betreffen in erster Linie Investitionen in das Anlagevermögen (Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge und Büroausstattung). Bei der Ermittlung des Kapitalbedarfs müssen Nebenkosten wie Grunderwerbsteuer, Notariatskosten, Gebühren und Kosten der Kapitalbeschaffung beinhaltet sein. Weiters sollte eine Reserve von etwa 10 Prozent geschaffen werden.
Kapitalbedarf für Waren- und Materiallager
In Produktionsbetrieben sollten Sie den notwendigen jährlichen Materialverbrauch für einen angestrebten Jahresumsatz ermitteln. In diesem Zusammenhang darf auf die Kosten der Lagerung nicht vergessen werden. Bei Einzelhandelsgeschäften ist es wichtig, den Umfang der Ladenausstattung festzustellen. Über die von den Lieferanten und Lieferantinnen erfragten Einkaufspreise ist der Wert des notwendigen Warenbestandes zu ermitteln.
Laufender Kapitalbedarf
In der Anfangsphase eines Unternehmens werden die laufenden Kosten oft die Einnahmen übersteigen. Dies ist davon abhängig, ob in der jeweiligen Branche Zahlungsziele üblich sind oder ob die Bezahlung der Waren und Dienstleistungen sofort erfolgt. Folgende Positionen sind bei der Ermittlung des Betriebsmittelbedarfs zu berücksichtigen:
detailierte Informationen finden Sie im Bereich Finanzplanung
Eigenkapital
Nach Ermittlung des Kapitalbedarfs berechnen Sie, welchen Teil Sie davon selber aufbringen können. Es gibt keine Generalregel, wieviel Eigenkapital Sie aufbringen sollen. Der Eigenkapitalanteil ist stark branchenabhängig.
Machen Sie eine Aufstellung über Bargeld, Sparguthaben und Sachwerte, die Sie in das Unternehmen einbringen können. Um den Eigenkapitalanteil zu erhöhen, können Sie einen Partner für Ihr Unternehmen gewinnen, der mitinvestiert und mitarbeitet. Vielleicht kommt auch die Beteiligung eines stillen Gesellschafters oder einer stillen Gesellschafterin (Teilhaber bzw. Teilhaberin) in Frage, der oder die sich nur mit einer Kapitaleinlage am Unternehmen beteiligt.
Vergessen Sie in diesem Zusammenhang nicht, dass diese Gesellschafter und Gesellschafterinnen am Gewinn des Unternehmens beteiligt sind und klären Sie rechtzeitig Haftungsfragen im Falle eines Verlustes. Ein diesbezüglicher Vertrag ist sehr wichtig.
Die Differenzsumme zwischen Ihrem ermittelten Kapitalbedarf und dem Eigenkapital muss durch Fremdkapital aufgebracht werden.
Fremdkapital
Fremdkapital wird in erster Linie durch Kredite aufgebracht. Folgende Hauptgruppen von Krediten sind zu unterscheiden:
Investitionskredit
Investitionskredite dienen zur Finanzierung des Anlagevermögens (Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge, Büromöbel). Diese Kredite werden langfristig gewährt, d.h. sie haben eine Laufzeit von etwa vier bis 20 Jahren.
Annuitätendarlehen haben den Vorteil, dass die Rückzahlungsbeträge über die gesamte Laufzeit gleich bleiben und so die Aufwendungen in den ersten Jahren niedriger als bei Ratendarlehen sind. Damit können etwaige Anlaufschwierigkeiten besser verkraftet werden.
Bei Ratendarlehen ist der Betrag, den Sie pro Jahr für die Tilgung und Zinsen aufbringen müssen, in den ersten Jahren höher als beim Annuitätendarlehen, nimmt dann ständig ab.
Beurteilen Sie die Kosten eines Kredits nie ausschließlich nach der Höhe der Zinsen.
Um die effektiven Kosten eines Kredits richtig abschätzen zu können, benötigen Sie genaue Informationen über:
Überprüfen Sie auch, ob Sie einen geförderten Kredit in Anspruch nehmen können.
Leasing
Leasing ist eine häufige Finanzierungsalternative. Investitionsgüter werden nach Abschluss eines Leasing-Vertrags angemietet und nach einer bestimmten Dauer zum vereinbarten Restwert gekauft.
Der Vorteil des Leasing ist die Schonung des Eigenkapitals - der Investitionsbetrag muss nicht auf einmal aufgebracht werden. Sie können die Rückzahlungen vor Vertragsabschluss flexibel gestalten.
Nachteile des Leasing sind:
Kontokorrentkredit
Der Kontokorrentkredit dient dem laufenden Geschäfts- und Zahlungsverkehr. Ein von der Hausbank eingeräumter Kreditrahmen ermöglicht Ihnen, den laufenden Geschäfts- und Zahlungsverkehr zu bewältigen. Sie können über den Kredit bis zur vereinbarten Höhe unbürokratisch frei verfügen. Die Zinsen werden nur für den tatsächlich in Anspruch genommenen Kreditbetrag verrechnet. Da für diese Art der flexiblen Kreditform zusätzlich Spesen und Gebühren anfallen, sollte der Kontokorrentkredit nur als kurzfristiges Finanzierungsmittel eingesetzt werden. Lassen Sie sich von Ihrer Bank genau beraten, vergleichen Sie die unterschiedlichen Konditionen und handeln Sie womöglich gute Konditionen aus.
Lieferantenkredit
Der Lieferantenkredit ist der teuerste aller Kredite. Dies ist auf den ersten Blick oft nicht sichtbar. Er wird formlos gewährt und entsteht dadurch, dass eine Ware nicht sofort bei Erhalt, sondern erst innerhalb einer bestimmten Frist, dem Zahlungsziel, zu begleichen ist (z.B. räumt Ihnen ein Lieferant bzw. eine Lieferantin ein Zahlungsziel von 30 Tagen ein).
Der Satz auf einer Rechnung: "Zahlbar innerhalb von 10 Tagen mit Abzug von 2 Prozent Skonto oder innerhalb von 30 Tagen ohne Abzug" bedeutet, dass Sie innerhalb der ersten 10 Tage 2 Prozent vom Rechnungsbetrag abziehen dürfen. Das entspricht einem Jahreszinssatz von 36 Prozent und sollte, sofern es die Zahlungsfähigkeit erlaubt, auch unter Ausnutzung des Kontokorrentkredits in Anspruch genommen werden. Versuchen Sie daher immer einen Skonto auszunützen.
siehe auch:
Erklärung und Aufgaben Finanzplanung
Kommunikation mit dem Kreditgeber